Bon centenaire, Albert Camus!

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Albert Camus im Jahr 1957.

Albert Camus im Jahr 1957.

L’Etranger“ (dt. Titel: „der Fremde“) das ist bis heute der Klassiker unter den Lektüren für den Französischunterricht. Aber dass Albert Camus selbst eines Tages das Schicksal ereilen würde, zum Fremden im eigenen Land zu werden, darauf weist bei seiner Geburt vor 100 Jahren, am 7. November 1913, noch nichts hin. Sein algerischer Geburtsort Mondovi ist zu diesem Zeitpunkt nämlich noch Teil Französisch-Nordafrikas und die Nachfahren der französischen Siedler sind ganz normale französische Staatsbürger.

Die Entfremdung und ein Gefühl der Deplatziertheit spielen in Camus’ Leben und Werk eine große Rolle. Sein Vater fällt im Ersten Weltkrieg. Die Familie zieht zur Großmutter, in deren Haus Albert in ärmlichen Verhältnissen aufwächst. Ginge es nach Mutter und Großmutter, wäre seine Schulkarriere nach der Grundschule vorbei. Sein Grundschullehrer sieht das jedoch anders, er erkennt Alberts Begabung und überredet die beiden den Jungen seine schulische Laufbahn fortsetzen zu lassen.

Am Gymnasium befällt Albert wohl zum ersten Mal ein Gefühl der Entfremdung: Er schämt sich seiner ärmlichen Herkunft und seiner Mutter, die Analphabetin ist. Kurz vor dem Abitur erkrankt er an Tuberkulose. Nachdem er sich davon erholt hat, zieht er zu seiner Tante und deren Mann, studiert, heiratet.

Die Erinnerungen an seine Kindheit in Algerien hat Camus in seiner unvollendeten, posthum veröffentlichten Autobiografie „Le premier homme“ festgehalten, die 2001 auch verfilmt wurde.

Als Journalist für „Alger Républicain“ lernt er wiederum ein ganz anderes Algerien kennen – ein Land, in dem die arabische Bevölkerung in großer Armut lebt und in dem ihr die Rechte französischer Staatsbürger vorenthalten bleiben. Nach dem Verbot der Zeitung geht Camus 1940 nach Paris, um für „Paris-Soir“ zu arbeiten. Der Zweite Weltkrieg und der Unabhängigkeitskrieg Algeriens werden ihn schließlich von seinem Geburtsland abschneiden. Und im französischen „Mutterland“ wird er sich nie wirklich heimisch fühlen.

Auch wenn biografistische Interpretationen literarischer Werke mit Vorsicht zu genießen sind, scheint sich Camus’ Gefühl des Fremdseins und einer gewissen Deplatziertheit in seinem literarischen Werk niederzuschlagen: Bereits die Titel „L’Etranger“ (1942) und „L’Hôte“ (1957) spielen auf einer Interpretationsebene mit dem uneindeutigen Status der Algerienfranzosen: Meursault in der Erzählung „L’Etranger“ ist nicht nur sich selbst und seiner Umgebung „fremd“, sondern aus Sicht der algerischen Araber ein „Ausländer“. Daru in „L’Hôte“ wiederum ist zugleich (unfreiwilliger) „hôte“ im Sinne von „Gastgeber“ des festgenommenen Arabers, den er der Polizei übergeben soll, und „hôte“ im Sinne von „Gast“, denn in den Augen der Araber ist er letztlich nur ein bis zu diesem Zeitpunkt geduldeter Fremder in Algerien.

Aber dies ist nur eine Randnotiz zu den beiden Werken Camus’. Wer mehr erfahren will, wird in unserer Reihe RAAbits Französisch fündig – und das zum Sonderpreis:

P.S.: Und noch ein Tipp für alle Französischlehrer und Frankophilen: Jacques Ferrandez, der die beeindruckende BD „L’Hôte“ gezeichnet hat, hat dieses Jahr einen Comicband zu „L’Etranger“ folgen lassen.

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Florence du Prel
Florence du Prel
f.duprel@raabe.de

war Redakteurin im RAABE Fachverlag für die Schule und betreute die Projekte "RAAbits Französisch" und "RAAbits Sozialkunde/Politik" (Gymnasium) des RAABE-Verlags.

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