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Alphabetisierung mit Links

Alphabetisierung mit Links

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Linkshänder haben es oft schwerer, in einer Welt, die für Rechtshänder gemacht ist – sie haben zum Beispiel Schwierigkeiten beim Schreiben mit einem Füller, der für die rechte Hand ausgelegt ist, und wenn sie den Dreh beim Schreiben doch raushaben, verwischen sie mit der linken Hand das soeben Geschriebene.

Aber haben dann nicht Linkshänder, die ein von rechts nach links verlaufendes Schriftsystem beherrschen, wie bei der arabischen oder hebräischen Sprache, einen umso größeren Vorteil? Und wirkt sich dieser Vorteil sogar auf den Bevölkerungsanteil von Linkshändern aus, weil viele die linke Hand zum Schreiben „trainieren“? Fand oder findet die hierzulande lange praktizierte „Umerziehung“ dort sogar in die andere Richtung, also auf Linkshändigkeit statt?

Gibt es in Schriftsystemen, die von rechts nach links verlaufen, mehr Linkshänder?

Die Antwort ist einfach: Nein. Denn die Händigkeit ist genetisch bedingt, also angeboren.

Jedes Kind stellt für sich schon früh und unbewusst, also vor der Alphabetisierung, eine stärkere Hand fest – beim Malen, Basteln oder auch beim Zähneputzen. Diese Präferenz kommt dann meist erst beim Schreiben ganz deutlich zum Ausdruck.

Doch in Zusammenhang mit dem Schriftsystem der Muttersprache steht dies nicht. So wie sich in der lateinischen Schrift sogar die lange ausgeübte „Umerziehung“ nicht durchsetzen konnte, der Anteil der Rechtshänder also nicht gestiegen ist, so ist auch keine Mehrheit von Linkshändern im arabischen Raum zu verzeichnen.

Dass die linke Hand im arabischen Raum dennoch nicht den besten Ruf genießt, hat einen kulturellen Hintergrund: Weil man sie zur Körperhygiene benutzt, gilt sie weitläufig als „unrein“, das Händeschütteln oder Essen mit der linken Hand ist daher nicht gerne gesehen. Beim Schreiben gilt diese Einschränkung aber nicht.

Den Schülern freie Hand lassen

Umso wichtiger ist es, allen Schülern bei der Alphabetisierung „freie Hand“ zu lassen. Das spielt auch im DaZ-Unterricht eine wichtige Rolle, wenn sich die Schüler mit ganz neuen und unbekannten Buchstaben und teilweise eben sogar mit einer anderen Schreibrichtung vertraut machen. Eine wichtige Hilfestellung dabei kann sein, eine Schreiblernlineatur an beiden Seiten gleich zu gestalten. Ein Häuschen beispielsweise, das dem Schüler bei der Höhe und Tiefe des Buchstabens helfen soll, muss also auf die linke und die rechte Seite. Steht es nur am Zeilenanfang, also im Deutschen links, deckt es der Linkshänder beim Schreiben nämlich selbst zu.

 

Schreibhilfe Fibi DaZ Grundschule Linkshänder

Das Haus als Schreibhilfe auf der linken und rechten Seite. Foto aus „Fibi lernt Deutsch“, das DaZ-Werk für die Grundschule erscheint im Januar bei Raabe.

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Kathrin Karasek
Kathrin Karasek
k.karasek@raabe.de

... ist Redakteurin im Bereich Gesellschaftswissenschaften und Deutsch als Zweitsprache.

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