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Allheilmittel oder Notlösung? – Die Gesamtschule in Hessen

Allheilmittel oder Notlösung? – Die Gesamtschule in Hessen

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Gemeinsam Entscheidungen treffen.  © www.colourbox.com

Gemeinsam Entscheidungen treffen.
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Wir sitzen zu viert an einem zu niedrigen Schultisch, meine Mentorin, die Eltern einer Schülerin und ich.

Auch wenn es nicht so aussieht: Hier werden große Entscheidungen gefällt! Es geht um die Zukunft von Nihal, zumindest ihre weitere schulische Laufbahn.

Wie die meisten Eltern würden Nihals Vater und Mutter sie gerne auf dem Gymnasium sehen, aber dem können Lehrer nicht in allen Fällen mit reinem Gewissen zustimmen. Und müssen den Eltern abraten. In Hessen gilt nämlich schon seit vielen Jahren der Elternwille beim Übergang in die weiterführende Schule.

Viele meiner Grundschulkolleginnen sahen deshalb ihren Ausweg in dem Vorschlag, das Kind auf eine Gesamtschule zu schicken. Ausweg aus dem Grunde, weil es den meisten Lehrerinnen im Herzen weh tat, ihre mühsam „aufgebauten“ Schüler gehen zu lassen. Mit der Gefahr, dass sie am Gymnasium an den fehlenden Erfolgen zerbrechen oder auf der Hauptschule abgestempelt werden und Probleme haben, einen Job zu bekommen.

Die Gesamtschule beginnt mit der zweijährigen sogenannten Förderstufe, in der das Kind genau beobacht wird, und dort eventuell länger verweilt, meist ohne dass es als Sitzenbleiben angerechnet wird.

Aber selbst innerhalb dieser Schulform gibt es zwei konkurrierende Modelle, die integrierte und die kooperative Gesamtschule.

In der kooperativen Gesamtschule gehen die Kinder einer Jahrgangsstufe je nach Leistungsniveau in eine von drei Klassen, die den klassischen Schulformen zugeteilt sind. Beim integrierten Modell gibt es in den Hauptfächern drei Kurse in unterschiedlichen Niveaustufen, denen die Schüler zugeteilt werden. Bei Bedarf kann zwischen den Kursen relativ unbürokratisch gewechselt werden. Ansonsten setzen sich die Klassen aus Kindern aller Schulformen zusammen.

Zurück zu Nihal. Ihre Eltern verstehen die Lehrerin kaum, sind aber interessiert. Die Klassenlehrerin sagt, in einem Stadtteil wie dem unseren sind die Eltern schon die zweite Generation in Deutschland, also schon selbst hier zur Schule gegangen. Sie arbeiten eigentlich rund um die Uhr, um ihren Kindern ein besseres Leben zu bieten. Dazu gehört natürlich auch die Chance, Abitur zu machen.“

Die Eltern von Nihal haben in den vier Grundschuljahren Vertrauen zu meiner Mentorin aufgebaut und lassen sich deshalb auf den Kompromiss Gesamtschule ein.

Jetzt muss dort nur noch ein Platz für Nihal frei sein, denn diese Schulform ist beliebter denn je!

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Nina Skorsetz
Nina Skorsetz
n.skorsetz@raabe.de

war Redakteurin im RAABE Fachverlag für die Schule, entwickelte neue Produkte für die Grundschule mit und betreute die Grundschule-Projekte "Dreifach differenzieren" und "Einfach musikalisch".

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