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9. August – Internationaler Tag der indigenen Bevölkerungsgruppen der Welt

9. August – Internationaler Tag der indigenen Bevölkerungsgruppen der Welt

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Rama an der Karibikküste Nicaraguas

Seit Generationen lebten die Rama an den Ufern der Karibikküste und vorgelagerten Inseln im heutigen Südosten von Nicaragua traditionell in hölzernen Stelzenhäusern vom Fischfang. Nun muss das auf noch 1300 Menschen geschrumpfte Volk einen weiteren Teil seines angestammten Lebensraums verlassen. Auf einem Teil ihres Territoriums soll der Nicaragua-Kanal als Konkurrenz zum Panama-Kanal entstehen. Der Verlust des Lebensraums und die Vorbereitungen für den Kanalbau lässt es als äußerst fraglich erscheinen, ob die dort lebenden Rama ihre althergebrachte Lebensweise weiter führen können. Dies geht einher mit dem Verlust der einheimischen Sprache, den Gebräuchen und den Traditionen des Volkes. Gefragt wurden die direkt betroffenen dort lebenden Rama nicht, ob sie den Kanal wollten. Die nicaraguanische Regierung hat sich mit dem Regierungspräsidenten der indigenen Region und Vertretern des Kanalbauunternehmens vertraglich geeinigt.

Aboriginal in Australien

Das Beispiel in Nicaragua steht für viele andere in aller Welt. Die indigene Bevölkerung hat oft wenig Fürsprecher bei den Regierungen der jeweiligen Regionen. Die noch ca. 460.000 Aboriginal in Australien wünschen sich von der australischen Regierung, dass ihre Rechte vertraglich fixiert werden sollen – bis jetzt vergeblich. So leben die meisten der australischen Ureinwohner weiterhin am Rand der Gesellschaft. Ihre eigenen Traditionen mussten sie aufgeben, den Übergang zu akzeptierten Mitgliedern in die Gesellschaft der weißen Bevölkerung schaffen aber nur die wenigsten.

Txatanawa in Amazonien (Brasilien)

Auch Gesetze helfen wenig, wenn sie nicht eingehalten werden. So bedrohen Holzfäller und Goldsucher den Lebensraum der Txatanawa, einem Schutzgebiet im Grenzgebiet der Amazonas-Region Brasiliens mit Peru. Der Bau einer Straße nach Peru ermöglicht es immer mehr Glücksrittern auf der Jagd nach dem schnellen Geld in die Wildnis vorzudringen. Leidtragende sind indigene Gruppen, wie die etwa 50 Personen zählenden Txatanawa, die auch den von den Eindringlingen eingeschleppten Krankheiten schutzlos ausgeliefert sind.

Nenzen in Nordsibirien (Russland)

Immer mehr Straßen, die ihr Einzugsgebiet durchschneiden, machen auch den als Nomaden mit ihren Rentierherden auf der Halbinsel Jamal im Norden Sibiriens am Polarmeer lebenden Nenzen sehr zu schaffen. Die Nenzen müssen ihre Wanderrouten auf der Suche nach ergiebigen naturbelassenen Weiden ändern. Immer mehr Menschen treibt die Aussicht auf Erdöl- und Erdgasvorkommen in die Region – zum Nachteil der Nenzen.

San in der Kalahari Wüste im südlichen Afrika

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Mitglieder der Volksgruppe der San weihen Touristen in die Geheimnisse des Überlebens im Busch ein. © Foto: Davor Lovincic/iStockphoto

Völlig ungestört von anderen Menschen in der freien Natur nach dem Vorbild und den Traditionen ihrer Vorväter leben auch die meisten der im heutigen Namibia, Botsuana und Südafrika beheimateten Volksgruppe der San nicht mehr. Nur drei Prozent der insgesamt noch ca. 100.000 Menschen leben noch das Leben von Jägern und Sammlern. In den letzten Jahren haben einige San aber erkannt, welch großen Wert ihr kulturelles Erbe auch in der heutigen Zeit haben kann. Einige San sind dazu übergegangen ihr Wissen um das Überleben im Busch an Touristen weiter zu geben. Sie zeigen den Urlaubern aus aller Welt, wie sich in wüstenhafter Umgebung Nahrung und Wasser finden lässt oder welche natürlichen Heilmittel es gegen die verschiedensten Krankheiten gibt. So haben sie eine gesicherte Einkommensquelle für sich entdeckt. Zudem besteht so die Chance, dass das althergebrachte Wissen der Vorväter nicht verloren geht.

Grundsätzlich kann jedoch der Tourismus nicht immer eine geeignete Option für den Erhalt von Kultur und Traditionen indigener Gesellschaften sein – und schon gar nicht die einzige. Von allergrößter Bedeutung ist der Erhalt des ursprünglichen Lebensraums. Dieser Lebensraum geht aber immer mehr unwiederbringlich verloren.

Der Wissenschaftler Jared Diamond hat ermittelt, dass wir von indigenen Gesellschaften sehr viel für unser Zusammenleben lernen können. Indigene Völker sind es also unbedingt wert, dass ihre Interessen von der Mehrheitsgesellschaft besser wahrgenommen werden und mehr im Blickpunkt stehen – nicht nur am Internationalen Tag der indigenen Bevölkerungen der Welt, dem 9. August.

Haben Sie Lust das Thema „Indigene Bevölkerungsgruppen“ im Unterricht zu behandeln?

Unter folgenden Links finden Sie passende Beiträge dazu

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Carsten Freund
Carsten Freund
c.freund@raabe.de

… arbeitet in den Redaktionen „RAAbits Geographie“ und „RAAbits Realschule Erdkunde“ im RAABE Fachverlag für die Schule mit und betreut Abdruckrechte-Anfragen des gesamten RAABE-Verlags.

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