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80 Jahre „Triumph des Willens“ von Leni Riefenstahl

Triumph des Willens Szenenbild 1935

80 Jahre „Triumph des Willens“ von Leni Riefenstahl

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Ein schwieriges Jubiläum – „Triumph des Willens“

„Triumph des Willens“, Szenenbild, 1935

„Triumph des Willens“, Szenenbild, 1935
© Imago/EntertainmentPictures

An vielen Jahrestagen wird uneingeschränkt gefeiert. Andere wagt niemand als „Jubiläum“ zu bezeichnen, geschweige denn, sie im Unterricht zu thematisieren. Zu Letzteren gehört sicher die Premiere des NS-Propaganda-Films „Triumph des Willens“ der hochbegabten Tänzerin, Schauspielerin, Fotografin und Filmemacherin Leni Riefenstahl vor 80 Jahren, am 28.3.1935. Bei dieser Künstlerin ist es außerordentlich schwer, ja letztlich unmöglich, Künstlerisches von Politischem zu trennen. Wir heutigen Rezipienten erkennen jedenfalls eine schizophrene Spannung zwischen Qualität und Inhalt und fragen uns: Kann man ein künstlerisches Werk als „perfekt“ ansehen, auch wenn es in einer Diktatur entstanden ist? Kann man das technisch oder künstlerisch Gelungene würdigen – unabhängig vom historischen Kontext und den Zielen der Herrschenden, von denen die Künstlerin sich hat vereinnahmen lassen? Auf jeden Fall bietet dieser Jahrestag viel Stoff für Diskussionen im Rahmen des Unterrichts der Oberstufe, besonders in den Fächern Geschichte, Deutsch, Musik, Religion und Kunst.

Leni Riefenstahl Dolomiten 1934

Leni Riefenstahl in den Dolomiten, 1934
© imago/Südtirolfoto

Für diese Diskussionen unabdingbar sind fundierte (kunst-)historische Hintergrundinformationen. Wer war Leni Riefenstahl, die erst im Alter von 101 Jahren am 8. September 2003 in Pöcking am Starnberger See verstorben ist?

Helene Bertha Amalie Riefenstahl, wie sie mit vollem Namen hieß, wurde am 22. August 1902 in Berlin-Wedding geboren. Schon als 16-jähriges Mädchen zeigte sie einen starken Willen. Denn sie setzte gegen den Vater ihren Wunsch durch, Tanzunterricht zu nehmen und ihre Schulausbildung nicht fortzusetzen. Ein schwerer Bänderriss beendete ihre Laufbahn als Tänzerin und lenkte diese in Richtung Schauspiel und Film. Es folgten Kontakte mit Luis Trenker und dem Bergfilm-Regisseur Arnold Fanck. So entstanden „Der heilige Berg“ und eine weitere Reihe von Bergfilmen, die sie als Expertin für dieses Genre populär machten.

Früh interessierte sich Leni Riefenstahl dabei auch für die Arbeit hinter der Kamera.

Leni Riefenstahl Regisseurin 1940

Leni Riefenstahl als Regisseurin, 1940
© imago/ZUMA/Keystone

Sie wollte hoch hinaus, wollte für einen Film als ganzes Kunstwerk verantwortlich sein. So war für sie die Aufgabe, als 32-jährige Regisseurin den NSDAP-Reichsparteitag von 1934 in Nürnberg dokumentieren zu dürfen, eine Herausforderung und ein Höhepunkt ihrer Karriere. Dass gerade dieser Film ihr später, nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes, viel Kritik einbringen würde, konnte sie zum Zeitpunkt der Dreharbeiten noch nicht ahnen. Heute wissen wir: Sie hat sich zeitlebens nicht der Kritik gestellt, dass sie sich von der Politik hatte vereinnahmen lassen. Sie leugnete bis zuletzt, dass ihr Film ein Propaganda-Werkzeug der Nazi-Diktatur war:

Leni Riefenstahl im Alter von 99 Jahren

Leni Riefenstahl im Alter von 99 Jahren vor einem Portrait ihrer selbst als Tänzerin
© imago/Plusphoto

„,Triumph des Willens‘ ist ein Dokumentarfilm von einem Parteitag, mehr nicht. Das hat nichts zu tun mit Politik. Denn ich habe aufgenommen, was sich wirklich abgespielt hat, und habe es insofern überhöht, als dass ich keinen Kommentar dazu gemacht habe. Ich habe versucht, die Atmosphäre, die da war, durch Bilder auszudrücken und nicht durch einen gesprochenen Kommentar. Und um das ohne Text verständlich zu machen, musste die Bildsprache sehr gut, sehr deutlich sein. Die Bilder mussten das sagen können, was man sonst spricht. Aber deswegen ist es doch keine Propaganda.“ (Leni Riefenstahl im Alter)

Filmisch-künstlerisch betrachtet kann „Triumph des Willens“ als „gut gemacht“ beurteilt werden. Alles stimmt: die Einstellungen, die Kamerafahrten, der Ton und vor allem die Musik. Die außerordentliche Qualität in Verbindung mit der Verherrlichung des nationalsozialistischen Regimes ist aber gerade das Perfide und damit der wesentliche Grund, weshalb der Film heute auf dem „Index“ steht. Dennoch ist er im Internet leicht zu bekommen, wenn man sich mit ihm historisch-kritisch und musikalisch-künstlerisch auseinandersetzen möchte (über Youtube oder auf einer DVD aus dem Ausland über amazon). Diese Auseinandersetzung wird z. B. am Ende des RAAbits Musik-Beitrags „Manipulation durch Klänge: Die Rolle der Musik im Nationalsozialismus“ angeregt, wo die Schüler eine genaue Analyse des Vorspanns und der Einleitung vornehmen, um die filmischen und musikalischen Mittel herauszuarbeiten, mithilfe derer Leni Riefenstahl das damalige Regime gleichermaßen verherrlicht wie verharmlost.

Materialien zu Leni Riefenstahls Film „Triumph des Willens“ in RAAbits Musik:

Weiterführende RAAbits-Materialien:

Weiterführende Links

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Bernhard Leitz
Bernhard Leitz
b.leitz@raabe.de

… ist Redakteur im Bereich Sprachen/Musik/Sport und betreut die Projekte „RAAbits Musik“ und „RAAbits Realschule Musik“ sowie die Abdruckrechte-Anfragen des gesamten RAABE-Verlags.

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