Themen
Lehrer-Blog Archiv

22. Oktober – Welttag des Stotterns

22. Oktober – Welttag des Stotterns

Posting teilen:
Schülerinnen Schüler Jungs Mädchen Stottern Welttag des Stotterns

©Laurence Mouton/AltoPress/Maxppp

Wenn Wörter abbrechen und Gedanken weiter laufen …

„Und wie waren deine Ferien, Paul?“
Eine scheinbar einfache Frage der Lehrerin im Morgenkreis am ersten Schultag – doch Paul zögert und beginnt nur zaghaft zu berichten. Dabei macht er viele Lautwiederholungen und Sprechpausen. Es ist mucksmäuschenstill in der Klasse. Als Paul fertig erzählt hat, tritt ein breites Grinsen in sein Gesicht. Mit so viel Geduld und Aufmerksamkeit hat er nicht gerechnet. Paul hat Glück. Seine Eltern haben die Klassenlehrerin vorher über die Sprachbehinderung ihres Sohnes informiert und auch Pauls Mitschüler wissen Bescheid.

„In der Schule war es am Anfang besonders schlimm, aber jetzt bin ich ruhiger“

Lehrerin Schülerin Schule Stottern Welttag des Stotterns

©Michèle Constantini/AltoPress/Maxppp

Als ein Ort, an dem viel gesprochen wird und an dem immer häufiger mündliche Präsentationen stattfinden, trägt die Schule dazu bei, dass Kinder sich unter Druck fühlen. Um nicht Gegenstand von Hänseleien zu werden, scheint es vielen einfacher, nichts zu sagen oder das Stottern mit unterschiedlichsten Strategien zu verbergen. Das ist auf Dauer natürlich anstrengend und nagt am Selbstbewusstsein.

 „Ich hätte zwar gern eine Brezel, aber ‚Brötchen‘ kann ich leichter aussprechen.“
Stottern ist nicht selten. Rund ein Prozent der Gesamtbevölkerung ist davon betroffen. Stottern kennt keine Grenzen und tritt überall auf der Welt auf. In Deutschland gibt es etwa 800.000 Stotternde.

Fördern Sie die Sprechmotivation Ihrer Schüler und unterstützen Sie sie, das zu sagen, was sie sagen möchten!

 „Wie kann ich helfen?“
Natürlich tragen Sie als Lehrer oder als Lehrerin nicht die alleinige Verantwortung. Treten Sie auf jeden Fall auch mit den Eltern des Betroffenen in Kontakt, um zu erfahren, ob bereits eine Therapie in Anspruch genommen wird.

Und mit folgenden Tipps für den Umgang mit stotternden Schülern schaffen Sie eine entspannte Atmosphäre im Klassenzimmer – die beste Voraussetzung für unbefangenes Sprechen:

  • Rufen Sie betroffene Schüler möglichst nicht unvorbereitet auf, sondern treffen Sie Absprachen – auch unter Einbezug der Mitschüler: Was hilft dir beim Vorlesen oder wenn du etwas sagen möchtest?
  • Vereinbaren Sie nonverbale Zeichen zur schnellen Verständigung, z. B. mit dem Finger auf den Tisch tippen bedeutet, dass der Schüler nicht vorlesen möchte.
  • Halten Sie beim Sprechen und Zuhören immer Blickkontakt zum Betroffenen. Dies vermittelt das Gefühl von Wertschätzung.
  • Vervollständigen Sie keine Sätze des Betroffenen aus Ungeduld. Geben Sie ihm die Zeit und die Ruhe, zu Ende zu sprechen.
  • Konzentrieren Sie sich auf den Inhalt des Gesprochenen und vermeiden Sie andere Tätigkeiten nebenher. Sie denken vielleicht, es wäre entlastend für den Stotternden, wenn Sie nebenher arbeiten, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Der Betroffene wird ruhiger, wenn er merkt, dass Sie sich Zeit nehmen, auch wenn es etwas länger dauert.
  • Vermeiden Sie Spiele, die eine schnelle Antwort erfordern. Hier können Stotternde nur verlieren.
  • Es gibt gute und weniger gute Sprechtage für Betroffene. Schaffen Sie vor allem Sprechanlässe an den guten Tagen.
  • Sorgen Sie für Erfolgserlebnisse und den Ausbau der Stärken des Betroffenen.
  • Ermöglichen Sie ggf. eine schriftliche Beantwortung von Prüfungsaufgaben.
Schüler Junge Stottern Schreiben Welttag des Stotterns

©Sigrid Olsson/AltoPress/Maxppp

„Zum Glück darf ich an manchen Tagen schreiben statt sprechen.“
Stottern ist eine anerkannte Sprechbehinderung. Schülern, die sich aufgrund ihres Stotterns nur eingeschränkt am mündlichen Unterricht beteiligen können, muss ein so genannter Nachteilsausgleich gewährt werden. Dieser ist in den Schulgesetzen der Bundesländer geregelt. Ziel des Nachteilsausgleichs ist es, Leistungen auf eine Art nachweisen zu können, die den individuellen Umständen angemessen ist. Grundsätzlich sollte angestrebt werden, dass sich der stotternde Schüler soweit wie möglich am mündlichen Unterricht beteiligt. Je nach Schweregrad der Symptomatik, Tagesform oder Sprechsituation muss dem Schüler aber ermöglicht werden, Ersatzleistungen zu erbringen.

Schüler Junge Singen Mikrofon Stottern Welttag des Stotterns

©Thinkstock/iStockphoto

„Wenn ich singe, ist alles gut.“
Wer singt, stottert plötzlich nicht mehr. Warum ist das so? Forscher haben die Antwort auf diese Frage u. a. auch im Zentralnervensystem gefunden. Zum Sprechen wird der linke Frontallappen des Gehirns benutzt, zum Singen der Rechte. Die Konzentration auf den Ton lenkt die Aufmerksamkeit. Und außerdem spielt das Zwerchfell beim Sprechen eine große Rolle. Es wird beim Singen anders kontrolliert als beim Sprechen. Viele Therapieformen beinhalten deshalb auch Atem- und Zwerchfellübungen.

„Ski-ba-bop-ba-dop-bop … I´m a skatman!“
Auch der Sänger John Paul Larkin, bekannt als Skatman, litt als Kind unter seinem Stottern. Mit 14 Jahren begann Larkin das Klavierspielen. Dies half ihm, seine sprachlichen Defizite zu kompensieren und seine künstlerischen Fähigkeiten zu entdecken. Mit seinem bekanntesten Lied „I`m a skatman!“ erreichte er 1995 in vielen Ländern Platz 1 der Charts.

Wir wünschen Ihnen viel Freude mit diesem wunderbar Mut machenden Lied!

Posting teilen:
Stefanie Marlit Kindl
Stefanie Marlit Kindl
s.kindl@raabe.de

...betreut bei RAABE das Werk "Einfach künstlerisch - Kunst und Werken fachfremd unterrichten".

keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Akzeptieren und Weiter
Diese Webseite verwendet Cookies. In unserer Datenschutzbestimmung können Sie Details über die Einstellungen der Anbieter erfahren und wie Sie Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern können. Durch den Besuch der Website akzeptieren Sie die Nutzung von Cookies.