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20 Jahre RAAbits – ein Interview mit den Entwicklerinnen

20 Jahre RAAbits – ein Interview mit den Entwicklerinnen

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Wie sind die RAAbits eigentlich entstanden? Wer hatte die Idee? Und warum ist das Konzept heute immer noch erfolgreich? Wir haben uns auf Spurensuche begeben und ein Interview mit Frau Grünziger (Geschäftsführerin des Raabe Verlags), Frau Beck (Verlagsleiterin des Raabe Fachverlags für die Schule) und Frau Wiest (Verlagsleiterin des Raabe Fachverlags für Frühe Bildung) geführt, die von Anfang an dabei waren.nachdenken_1

Wie entstand die Idee, im Raabe Verlag eine Loseblattsammlung für Unterrichtsmaterialien zu entwickeln?

Frau Grünzinger: Wir bekamen immer wieder Anfragen von Lehrerinnen und Lehrern nach Angeboten zur Unterstützung in der Unterrichtsvorbereitung. Daraufhin haben wir uns angeschaut, was es eigentlich außer Schulbüchern auf dem Markt gibt und erste Gespräche mit Lehrern geführt. Und so fiel der Startschuss für das neue Projekt Ende 1991. Wir fingen an, Personal zu suchen, wobei von Anfang an klar war, dass wir für die Redaktion wirklich Lehrer mit Unterrichtserfahrung haben wollten.

Wir haben uns entschieden, zunächst Deutsch, Geschichte und Sozialkunde anzubieten; die Gruppe der Deutschlehrer ist sehr groß, Geschichte ist ein sehr materialintensives Fach und Politik ist ein aktualitätsgetriebenes Fach. Außerdem hatten unsere ersten Mitarbeiter diese Fächer auch studiert.

Dann begann die intensive Phase der Marktforschung mit vielen persönlichen Gesprächen und Hospitationen, und das erste Werk – Geschichte – kam Ende Oktober 1992 auf den Markt.

Und wie kam es zum Titel RAAbits?

Frau Grünzinger: Das war ein schwieriger Prozess. Wir hatten viele Sitzungen dazu und haben lange überlegt, wie wir das Ganze nennen sollten. Wir wussten von Anfang an, dass wir irgendwann alle Schularten und alle Fächer abdecken wollen, dass daraus also eine Reihe werden sollte. Wir haben verschiedene Begriffe notiert und kombiniert, unter anderem den Verlagsnamen RAABE, und haben dann überlegt, was denn das neue Werk ausmachen soll.

Frau Wiest: Ja, wir hatten beschlossen, dass die Beiträge nach dem Bausteinprinzip aufgebaut sein sollen. Damals hielten Computer Einzug in die Schulen, und die modernen Bausteine waren Bits. Verknüpft mit dem Verlagsnamen entstand so der Reihentitel RAAbits.

Bunt und kreativ ist das Design der RAAbits-Ordner

Bunt und kreativ ist das Design der RAAbits-Ordner

 Also das Baustein-Prinzip war von Anfang an Teil des Konzeptes?

Frau Grünzinger: Ja, es war klar, dass unsere Unterrichtseinheiten aus vielen Bausteinen bestehen sollten. Jede Unterrichtseinheit war in Sequenzen unterteilt, diese in Stunden und diese wiederum in Materialien, und das waren die kleinsten Teile, die „Bits“.

Es war anfangs unser größtes Problem, dass die Einheiten so lang waren. Wir wollten den Lehrern genug Auswahlmöglichkeiten bieten – z. B. für jede Stunde mindestens drei Einstiegsmaterialien …

Frau Beck: … Uns wurde aber schnell klar, dass wir ein Thema nicht in dieser Ausführlichkeit behandeln konnten. Wir haben den Umfang an Materialien reduziert, weil wir sehr bald festgestellt haben, dass wir sonst in einer Ergänzungslieferung gerade mal ein Thema abdecken können. Und das ist natürlich nicht ausreichend, um einen ansprechenden Themenmix zu bieten.

Was hat sich auf Kundenseite in den letzten 20 Jahren verändert?

Frau Beck: Ich würde sagen, dass die Kunden sich nicht verändert haben, aber unser Blick auf sie. Durch unseren engen Kontakt zu den Kunden haben wir zum Beispiel gelernt, dass wir die Dinge einfacher und übersichtlicher machen müssen, wenn wir den Lehrern die Unterrichtsvorbereitung erleichtern wollen. Gewandelt haben sich die Rahmenbedingungen, unter denen die Kunden unterrichten.

Und wie schafft man es, diesen engen Kundenkontakt zu halten?

Nicht nur auf der Didacta, sondern auch auf der Leipziger Buchmesse sorgen wir für Aufmerksamkeit. Schauen Sie doch einfach mal vorbei!

Frau Beck: Ich glaube, dass es nach wie vor wesentlich ist, dass wir regelmäßig hospitieren und die Lehrer zu Expertenrunden in den Verlag einladen, um mit ihnen über ihren Schulalltag zu sprechen. Darüber hinaus nutzen wir jede Möglichkeit, mit den Lehrern ins Gespräch zu kommen, z. B. die Didacta.

Frau Wiest: Ja, wir sind sehr nah an den Lehrern. Unser Motto lautet: „Wir hören hin. Wir schauen zu. Wir machen mit.“ Dabei werden wir auch mal eingebunden, lernen Lehrer und Schüler kennen und verstehen so ihre Situation.

Was hat sich denn in den 20 Jahren bei den RAAbits geändert, und was ist bis heute gleichgeblieben?

Frau Beck: Gleichgeblieben ist zum einen der Anspruch, die Lehrer in ihrer Unterrichtsvorbereitung zu entlasten, und zum anderen der Anspruch an die Qualität der Unterrichtsmaterialien: Wir wollen Themen so aufbereiten, dass sie fachlich und didaktisch-methodisch auf dem neuesten Stand sind.

Verändert hat sich aber unser Bild davon, wie die RAAbits den Lehrer entlasten: Eine RAAbits-Einheit ist normalerweise nichts, was ich kurz vor dem Unterricht hernehme und unverändert einsetze. Sie liefert vielmehr Impulse und konkrete Materialien, um eine Stunde oder eine Unterrichtseinheit individuell zu gestalten.

Frau Wiest: Was gleichgeblieben ist, sind die bunten RAAbits-Ordner. Farbenfroh, selbstbewusst und im Alltag eine große Hilfe. Sie sind immer noch einzigartig.

Frau Beck: Und das deckt sich dann auch mit dem Inhalt – die Dinge abseits ausgetretener Pfade aufzubereiten.

Was ist Ihrer Meinung nach der allergrößte Erfolg der RAAbits?

Frau Beck: Für uns war das Format des Loseblattwerks an sich der Schlüssel zum Erfolg, weil wir damit immer flexibel auf aktuelle Entwicklungen im Bildungsbereich reagieren konnten.

Frau Grünzinger: Gemessen an der Größe der Zielgruppe sind zum Beispiel Werke wie RAAbits Musik oder RAAbits Spanisch große Erfolge.

Frau Wiest: Ich kann nicht sagen, dass ich ein bestimmtes Produkt als besonders erfolgreich betrachten würde. Ich glaube, dass der Erfolg mit unserer Haltung im Verlag zusammenhängt: Wir versuchen, jedes Werk genau auf die Bedürfnisse der Kunden zuzuschneiden. Was mich persönlich sehr gefreut hat, war, dass der Einstieg in die Hauptschule und Berufsschule so erfolgreich war.

Was sehen Sie momentan als die größte Herausforderung an?

Sie möchten die Materialien an das Niveau Ihrer Schüler anpassen? Mit einer CD bieten wir Ihnen hierzu die Möglichkeit.

Frau Wiest: Für mich ist die größte Frage: Wie entwickelt sich die Art der Unterrichtsvorbereitung? Kommt eine Generation Lehrer, die sich nur noch digital vorbereitet? Und wie schnell kommt sie? Die Inhalte ändern sich zwar dadurch für uns nicht, aber die Aufbereitung der Inhalte – also die Angebotsform. Ich beobachte, dass die Entwicklung sehr langsam vonstatten geht und frage mich, ob das Tempo so bleibt.

Frau Beck: In bestimmten Bereichen ist die Digitalisierung schon weit fortgeschritten. Es gibt Kunden, die am liebsten alles nur noch in digitaler Form möchten, und solche, die nach wie vor Papier haben wollen. Das unter einen Hut zu bringen, ist eine große Herausforderung.

Frau Grünzinger: Also für mich ist die Herausforderung, dass wir es auch in Zukunft schaffen, unter der Vielzahl an Angeboten weiterhin gefunden und gekauft zu werden – vor allen Dingen vor dem Hintergrund der vielen kostenlosen Angebote.

Was ist das Ziel für die Zukunft?

Frau Beck: Weiterhin innovativ zu sein. Das heißt auch, auf neue Bedürfnisse rasch reagieren zu können.

Frau Grünzinger: Gleichzeitig aber auch gleichbleibend gute Qualität zu liefern und ein zuverlässiger Partner für die Lehrer zu sein.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führten Tobias Dietzsch und Jasmina Frey.

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Jasmina Frey
Jasmina Frey
j.frey@raabe.de

…ist Redakteurin im RAABE Fachverlag für die Schule und betreut die Projekte Deutsch und Englisch Berufliche Schulen

3 Kommentare
  • Tobias Dietzsch
    Gepostet um 11:28h, 26 November

    Das mit den Ordnern scheinen auch andere so zu sehen: Ich erinnere mich an eine didacta auf der ein Kommunikationswissenschaftler auf mich zu kam und fragte, ober er die Ausstellungsregale fotografieren dürfte. Er war begeistert und wollte die Bilder für seine Vorlesungen nutzen. Was wohl seine Studenten dazu meinten?

  • Das “who is who?” von Raabe – Teil 1 | Lehrer-Blog
    Gepostet um 10:36h, 07 Juni

    […] ich Raabe kenne, hat sich – nicht  nur – personell viel getan (siehe auch hier und hier).  Nach dem ersten Staatsexamen kam ich zu einem Praktikum, um die Zeit bis zum Beginn […]

  • Das “who is who?” bei Raabe – Teil 4 | Lehrer-Blog
    Gepostet um 10:58h, 11 Juli

    […] Berlin! – Wir fahren nach… STUTTGART! Wie wir an anderer Stelle bereits erwähnt haben, hat RAABE eine lange Geschichte, die auch einige Umzüge mit sich brachte. […]

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